Mitarbeiterführung & Führungskräfteentwicklung – Coaching & Mindfulness

Wache und präsente Coaches können ihre Coachees in vieler Hinsicht besser unterstützen.

Immer mehr Unternehmen setzen Achtsam­keits-Instrumente, Achtsamkeitstraining und Achtsamkeitsübungen in der Mitarbeiterführung, der Personalführung und Füh­rungskräfteentwicklung ein. Auch in der For­schung boomt das Thema: Während es vor wenigen Jahren nur einige Studien dazu gab, sind es heute über dreitausend wissenschaft­liche Publikationen, viele von renommierten Universitäten wie Harvard, Standford oder dem MIT.

Dabei geht es nach Jon Kabat-Zinn (MIT/UMass Medical School), einem der Pioniere in diesem Bereich, um »eine bestimmte Form der Auf­merksamkeit: bewusst im gegenwärtigen Au­genblick und nicht urteilend.«

Beim ÖBAM, dem österreichischen Bundes­verband für Achtsamkeit/Mindfulness ist von einem Wechsel vom »Tun« zum »Sein« die Rede. Mit meditativen und mentalen Techniken, Wahrnehmungs- und Konzentrationsübungen kann man das Ganze trainieren (Führungskräfteentwicklung).

Ressourcen in uns selbst als Coach aktivieren

»Es ist meine verdammte ethische Pflicht als Coach, dass ich es mir so richtig saumäßig gut gehen lasse«, formuliert es Gunther Schmidt (Milton Erickson Institut Heidelberg).

Wache und präsente Coaches können ihre Coa­chees in vieler Hinsicht besser unterstützen und somit im Rahmen der Führungskräfteentwicklung wirksam werden. Dies sieht auch die International Coach Fe­deration (ICF) so und beschreibt »Persönliche Präsenz« als eine Kernkompetenz für Coaches. Darunter versteht die ICF etwa den »Zugang zur eigenen Intuition und das Vertrauen auf das eigene innere Wissen«, »die Fähigkeit, sich da­rauf einzulassen, dass der Coach nichts weiß« oder »Selbstvertrauen im Umgang mit starken Emotionen«.

Dan Siegel (Harvard/UCLA) zeigt auf, wie aus einer neurophysiologischen Betrachtungswei­se eine verbesserte Fähigkeit zur Selbst-Wahr­nehmung Hand in Hand geht mit erhöhter Empathie-Fähigkeit. Letztere wird in der Führungskräfteentwicklung immer wichtiger und wir benötigen sie für eine tragfähige, gute Beziehung zu unserem Coachee ebenso wie für hilfreiche Interventio­nen.

Ressourcen des Coachee aktivieren

In der sozialen Interaktion, gerade auch in der Führungskräfteentwicklung, stecken wir uns per­manent wechselseitig mit Verhaltensweisen, Gefühls- und Bewusstseinszuständen etc. an. Gähnen, Lachen oder erhöhte Aufmerksam­keit sind nur einige Beispiele, die wir alle aus unserem Alltag kennen. Unsere eigene Verfasst­heit wirkt sich unweigerlich auch auf unseren Coachee aus. Stephen Gilligan (Stanford), der sehr stark im Rahmen der Führungskräfteentwicklung aktiv ist, leitet daraus die Forderung ab: »Wohin auch immer wir wollen, dass unser Coachee geht, wir gehen voran.«

Den Coachee anstecken

Wenn ich als Coach achtsam bin, entspannt, humorvoll und in meiner Mitte, kann es gut sein, dass ich meinen Coachee damit »anste­cke«. Wenn ich mich achtsam meinem eigenen Unwohlsein und meiner eigenen Ratlosigkeit stelle (statt beides wegzudrängen und es damit stärker und kontraproduktiv zu machen), er­leichtere ich es meinem Coachee, eine ähnliche Haltung zu entwickeln.

Auch ganz direkte Interventionen in Sachen Mindfulness, wie einige bewusste gemeinsame Atemzüge, Übungen zur Körperwahrnehmung, Achtsamkeitstraining & Achtsamkeitsübungen, zur Selbstregulierung oder zur Empathie kön­nen die Coaching-Arbeit wesentlich vertiefen und bereichern und werden vielfach auch in der Führungskräfteentwicklung eingesetzt.

Chade-Meng Tan (SIYLI) beispielsweise be­schreibt praktische Übungen, die Google in der Führungskräfteentwicklung und im Führungskräftetraining einsetzt. Viele davon eignen sich – gegebenenfalls in leicht adap­tierter Form – auch hervorragend fürs Coa­ching.

Johannes Narbeshuber

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