Forschung aus dem Bereich Contemplative Science

Zu Verwirrung führt es manchmal, wenn alle Meditationsformen „in einen Topf geworfen werden“. Es gibt jedoch verschiedene Varianten. Die folgenden Forschungsergebnisse beziehen sich vorrangig auf die Achtsamkeitsmeditation, die einen Zustand des „offenen Gewahrseins“ kultiviert (auch wenn zu Beginn oft eine Phase der Konzentration, z.B. auf den Atem vorangeht), während andere Meditationsformen, z.B. rein konzentrative Praktiken eher auf die Fokussierung abzielen und den Geist zur Konzentration schulen. Eine der ersten Studien zu diesem Thema kommt von Lazar et al (2005): Meditierende und Nicht-Meditierende wurden im MRT untersucht. Der Cortex und hier die so genannte graue Hirnsubstanz, genauer gesagt der Teil, der für Aufmerksamkeit und Verarbeitung von Sinneseindrücken verantwortlich ist, war deutlich dicker und je länger die Probanden meditiert hatten. Diese Arbeit zeigte als eine der ersten, dass Meditation das Gehirn verändert. Folgestudien (Hölzel et al.) zeigten, dass die verstärkte Bildung der grauen Hirnsubstanz auch in Bereichen, die für das Lernen und Emotionsregulation verantwortlich sind, stattfindet. Und das nicht etwa nur bei Langzeitmeditierenden, sondern bereits nach einem 8 wöchigen Achtsamkeitskurs mit durchschnittlich 27 Minuten Achtsamkeitstraining und Achtsamkeitsübungen pro Tag.

Große Beachtung findet in den Neurowissenschaften die Amygdala, eine mandelförmige Region im Hirn. Sie scheint eine zentrale Rolle in der Stressreaktion zu spielen. Wenn wir Stress haben, dann sind vor allem der Hippocampus und die Amygdala involviert. Der Hippocampus erhält die Infos von den Sinneseindrücken und leitet sie an die Amygdala weiter, die dann aktiviert wird oder nicht. Wenn Sie ausschlägt, aktiviert sie unseren Kampf- oder Fluchtbereitschaft. Nur gibt es bei uns weniger Säbelzahntieger als zu der Zeit, in der sich dieses Hirnteil gebildet hat. Wir reagieren aber oft so stark, als ob ein solcher vor uns stünde, was auch als „Amygdala Hijack“ bezeichnet wird. Die gute Nachricht ist, dass Mindfulness hier helfen kann. Schon nach 8 Wochen, so zeigt eine Studie des Massachusetts General Hospital, reduzierte sich die Größe des Mandelkerns und auch das Zentrum, wo die Emotionsregulation stattfindet. Und dies auch dann, wenn wir uns gerade nicht in der Sitzmediation befinden.

Aber auch in der Wirtschaft macht Achtsamkeit einen Unterschied, z.B. im Bereich Mitarbeiterführung. So zeigten Davidson & Kabat-Zinn bereits 2003 in einer der ersten großen Untersuchungen im Unternehmensumfeld folgendes: Testpersonen wie Du und ich hatten nach 8 Wochen Achtsamkeitsmeditation und Selbstmanagement weniger Angst und die Hirnareale für positive Gefühle waren deutlich aktiver. Erstaunlich war hier aber vor allem: Nach einer Grippeimpfung waren bei der Gruppe der Meditierende deutlich mehr Antikörper nachweisbar als bei den Nicht-Meditierenden. Nicht nur waren die Teilnehmer weniger ängstlich und sogar glücklicher (wie die Messungen zeigten), sondern verfügten auch über eine bessere Immunabwehr.

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