Achtsamkeitsmeditation beginnt in der Regel damit, dass wir gezielt auf unseren Atem achten und ihn bewusst wahrnehmen. Auch bei vielen alltäglichen Situationen spielt die Atmung eine große Rolle. Eine Führungskraft atmet vor einer Präsentation vielleicht noch einmal tief durch. Eine Opernsängerin hat ihren Atem jederzeit unter Kontrolle und wer schon einmal Yoga gemacht hat, weiß auch, wie wichtig es dort ist, die Bewegung mit dem Atem zu synchronisieren. Dabei läuft unsere Atmung von dem Moment unserer Geburt an die meiste Zeit völlig automatisch ab, ohne dass wir ihr viel Aufmerksamkeit schenken.

Unsere Atmung beeinflusst unsere Emotionsverarbeitung und unsere Gedächtnisbildung

Forscher haben herausgefunden, dass besonders das Einatmen durch die Nase einen großen Einfluss auf unser Gedächtnis und auf unsere Emotionsverarbeitung hat. Die 60 Teilnehmer einer Studie konnten Bilder besser abrufen, wenn Ihnen das entsprechende Bild zuerst beim Einatmen durch die Nase gezeigt wurde. Der Effekt trat nicht auf, wenn Teilnehmer durch den Mund einatmeten oder wenn ihnen das Bild beim Ausatmen präsentiert wurde. Ähnlich war es bei der Emotionserkennung. Den Probanden wurden ängstliche oder überraschte Gesichter gezeigt und sie sollten möglichst schnell die entsprechende Emotion per Knopfdruck anzeigen. Die Teilnehmer waren schneller, wenn der emotionale Gesichtsausdruck beim Einatmen auf dem Bildschirm erschien. Die Forscher argumentieren, dass das Einatmen durch die Nase in unserem Gehirn das Geruchssystem aktiviert, welches mit dem Hippocampus und der Amygdala verbunden ist. Diese Gehirnregionen sind gleichzeitig wichtig für das Formen von Erinnerungen und für die Verarbeiten von Emotionen. Auch aus dem Alltag bestätigen sich diese Ergebnisse. Wer kennt es nicht? Man atmete einen vertrauten Geruch ein und plötzlich fühlt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt, oft taucht sogar eine schöne Kindheitserinnerung auf.

Genau diese starke Verbindung stellt den Grundstein für viele Meditations- und Achtsamkeitsübungen dar. Unsere Atmung ist die vielleicht größte Konstante in unserem Leben. Indem wir bewusst auf sie achten und sie als unsere Verbündete betrachten, integrieren wir diese Konstante ein Stück weit in unser Leben. Wie können Sie das ganz praktisch im Alltag umsetzen?

Kurzanleitung: Die Atmung bewusst im Alltag einsetzen

Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit und setzen Sie sich an einem ruhigen Ort in bequemer Position hin. Schließen Sie Ihre Augen und atmen Sie durch die Nase tief ein und aus. Achten Sie dabei bewusst auf Ihren Atem und konzentriere Sie sich voll und ganz auf ihn. Das mag Ihnen vielleicht etwas ungewohnt und seltsam vorkommen. Doch schon nach kurzer Zeit werden Sie merken, wie Sie Ihren Alltag stressfreier meisterst, wie Sie gelassener mit herausfordernden Situationen umgehen und wie sich Ihr Selbstmanagement ganz allgemein verbessert.